
Berlin – Matthias Müller (72) führte als Volkswagen-Chef den Autokonzern nach dem Diesel-Skandal durch die Krise, krempelte das Unternehmen um. Jetzt sieht er das ganze Land in einer Notlage. Er sagt: „Wir sind auf dem Weg zu einer DDR 2.0.“ Als Krisenmanager fordert er, Deutschland umzukrempeln: Er will eine neue, kleine EU aus wenigen starken Ländern, das Einreißen der Brandmauer zur AfD und ein Ende von Steuergeldern für Nichtregierungsorganisationen (NGOs).
Das Interview, das Müller dem Nachrichtenportal „t-online“ gegeben hat, ist eine Abrechnung mit der aktuellen deutschen und europäischen Politik. Und den Deutschen selbst. Weil sich das Land zu einem „Vollkaskostaat“ entwickelt habe, die Bürger „satt geworden, ein Volk von Egoisten“ sei, drifte Deutschland Richtung DDR ab. Die Bürger versteckten sich für ihn immer mehr hinter dem Staat und übernähmen immer weniger Eigenverantwortung. „Viele rufen nach Veränderung, aber wenn es konkret wird, will niemand betroffen sein“, sagt Müller. Der Ex-VW-Chef fordert Reformen „auf allen Gebieten“, sonst würden wir „ein rückläufiges Wirtschaftswachstum erleben wie seit Jahrzehnten nicht mehr“.
Brandmauer „ein Stück weit“ öffnen
Innenpolitisch will er, dass die Brandmauer „ein Stück weit“ geöffnet wird. Denn für Müller kann nur dies „die Unfähigkeit der Partei zutage bringen“. Für Müller sind AfD-Wähler „ganz normale Menschen, die früher vielleicht CDU oder CSU gewählt haben, und sich aus Verzweiflung dorthin begeben haben.“ Auch will Müller, dass die 551 Fragen, die die Union kurz nach der Bundestagswahl an die noch amtierende Ampel-Bundesregierung gestellt hat, umfänglich beantwortet werden. Es ging um die Finanzierung von NGOs. Doch bei den Koalitionsverhandlungen kam es zum Deal zwischen CDU und SPD. Die Fragen stehen weiter im Raum.
Müller sagt dazu: „Es gibt in Deutschland etwa 15.000 NGOs mit Hunderttausenden Mitarbeitern, die zum großen Teil aus Steuergeldern bezahlt werden. Wir sollten hinterfragen dürfen, ob das in Ordnung ist oder nicht.“ Deshalb will er mit der „Initiative Transparente Demokratie“, die er unterstützt, die Antworten auf die 551 Fragen holen.
Außenpolitisch will er weg von 27 EU-Staaten, die als „zersplittertes Europa zwischen China und den USA zerrieben“ wird. Stattdessen solle sich ein handlungsfähiger Kern formieren – „mit Ländern wie Deutschland, Frankreich, Polen und auch England. Um diese Staaten könnte dann eine neue EU entstehen.“